Frauenförderplan der Fakultät Architektur, November 2007

 

1. Bestandsaufnahme der Beschäftigungsstruktur

2. Prognose

Eine Prognose zu den zu besetzenden Stellen erscheint schwierig, da die Bewerber nach ihrer Qualifikation ausgewählt werden. Die Entwicklung der Studierendenzahlen für den Bachelor Studiengang Architektur ist relativ gut einschätzbar, da es sich um einen zulassungsbeschränkten Numerus-clausus Studiengang handelt. Es werden in Zukunft maximal 200 Studierende zugelassen.

Der Anteil der weiblichen Studierenden wird wahrscheinlich weiterhin in dem Bereich 54-55% liegen.

3. Zielvorgabe – Abbau der Unterrepräsentanz von Frauen

Mit diesem Frauenförderplan setzt sich die Fakultät zum Ziel, die Gleichstellung von Frauen und Männern aktiv zu fördern. Die Fakultät wirkt darauf hin, dass Frauen bei entsprechender Qualifikation mit mindestens 50 % bei der Vergabe von Stellen berücksichtigt werden bzw. den Frauenanteil in allen Besoldungs- und Entgeltgruppen sowie in allen Funktionen und Arbeitsbereichen zu verbessern, wo er unterrepräsentiert ist. Ferner gilt es, dies in einen dauerhaften Zustand zu überführen Die Fakultät sieht es als dringlich an, baldmöglichst erste Professorinnen zu berufen und den Frauenanteil am wissenschaftlichen Nachwuchs deutlich zu erhöhen. Außerdem sollen die Studienbedingungen für Frauen an der Fakultät verbessert werden. Die Fakultät legt mit diesem Frauenförderplan hierfür erforderliche Maßnahmen fest. Der anzustrebende Frauenanteil von 50% auf allen Qualifikations- und Beschäftigungsstufen erscheint an der Fakultät allerdings erst langfristig erreichbar. Insofern besteht weiterhin dringender Handlungsbedarf, der seine Entsprechung im Maßnahmenkatalog findet.

In der Fakultät für Architektur, einem Berufsfeld, das bis vor zehn Jahren als »reine Männerdomäne« gesehen wurde, ist besonderes Augenmerk auf die Erhöhung des Frauenanteils im wissenschaftlichen Tätigkeitsbereich zu legen.
Während mittlerweile der Anteil von Frauen unter den Studierenden als ausgewogen bezeichnet werden darf; bei den nWMs und WMs eine steigende Tendenz zu verzeichnen ist, schlägt die Anzahl der Professorinnen im Vergleich zu den der Professoren (23) trotz anhaltender Bemühungen mit 0% negativ zu Buche; gleiches gilt für den Bereich der Professurvertretungen.

Sich abzeichnende Möglichkeiten

Zeitnah können in der Fakultät für Architektur acht Professuren neu besetzt werden. Die Berufungsverfahren für die W 2 – Professur 'Architekturtheorie' und W 3 – Professur 'Bildnerisches Gestalten' befinden sich derzeit in der finalen Phase.

Leider qualifizierte sich in keinem der beiden Verfahren eine Frau für einen Listenplatz.

Für die anstehenden Berufungsverfahren

  • Landschaftsarchitektur
  • Gebäudetechnik, Bauphysik
  • Denkmalpflege
  • Gebäudelehre und Grundlagen des Entwerfens
  • Raumgestaltung
  • Bauplanung u. Baurealisierung

wurden Frauen bei gleicher Qualifikation explizit aufgefordert, sich an der Fakultät für Architektur zu bewerben.

Somit ergeben sich Möglichkeiten, die Unterrepräsentanz von Frauen im Bereich der Professuren entgegenzuwirken. Die Fakultät wird größte Aufmerksamkeit darauf verwenden, nach qualifizierten Bewerberinnen für diese beiden Positionen zu suchen.

5. Bewertung der Maßnahmen

Die Maßnahmen werden im Prinzip alle für sinnvoll erachtet, es wäre jedoch im Einzelfall zu überprüfen, ob die Angebote nicht zentral, d. h. von der Hochschule aus, gesteuert werden könnten.
Die Einrichtung einer Kindertagesstätte erscheint grundsätzlich als sehr sinnvoll, hierzu wird die Fakultät zeitnah eine statistische Umfrage tätigen, um die derzeitigen Studierenden mit Kind zu ermitteln, weil diese Zahlen im Moment nicht verfügbar sind.

Eine Arbeitszeitflexibilisierung ist in Absprache innerhalb der einzelnen Lehreinheiten grundsätzlich möglich, ist aber abhängig vom eigenen Lehrplan bzw. Stundenplan der Studierenden.
Die Maßnahmen zum Abbau der Unterrepräsentanz von Frauen bzw. Männern werden turnusmäßig zum größten Teil von der Fakultät angeboten und als sehr sinnvoll erachtet. Im Sinne der Gleichstellung plant die Fakultät auch die Durchführung des »Boys Days«.

Das Angebot der Gleichstellungsstelle eines Workshops: »Bauleitung – Auch Frauensache!« wird vom Fachbereich 2 unterstützt und begrüßt.

6. Gender in der Lehre und Forschung

Sind Lehrinhalte im Fachgebiet geschlechtsneutral?

Nein

Geschlechtsneutrale Wirklichkeit existiert nicht. Gleiches gilt für geschlechtsneutrale Lehrinhalte. Zudem wäre es stereotyp, wenn sie ohne weiteres und immer als geschlechtsneutral gelten würden. Vielmehr gilt es, die Strukturen »WER vermittelt WEM WAS, WIE, WANN und WARUM« reflektiert offenzulegen und die gesellschaftlichen Bedeutungen der einzelnen Aspekte zu hinterfragen.

  • Geschlechterfragen sind an der Architekturfakultät zumindest Teil der Planung und Umsetzung von Inhalten.
  • Ziel ist, dass die Vermittlung von Inhalten differenziert und ausgewogen erfolgt.
  • Frauen und Männer haben prinzipiell dieselben Teilnahmemöglichkeiten an allen Veranstaltungen und Projekten.

Ist Sensibilisierung für geschlechtsneutrale Lehre gegeben?

Ja

Maßnahmen:

  • Diskriminierung und geschlechterbezogene Unterschiede in der Kommunikation werden in der Fakultät zumindest partiell identifiziert und angesprochen.
  • Diskriminierung in der Sprache und den Inhalten werden z. T. gegenüber den Studierenden in deren Arbeitsgruppen, Inhalten, Präsentationen, etc. identifiziert und in der Gruppe thematisiert.

Kommt der Begriff Gender Mainstreaming (GM) vor?

Nein

Der Begriff Gender Mainstreaming bedarf der weiteren Etablierung; im allgemeinen Sprachgebrauch sowie in tatsächlichen Handlungsprozessen, d. h., in allen horizontalen und vertikalen Strukturen.

Ist Gender Mainstreaming allgemeines Ziel?

Ja

Da die hochschulinternen Strukturen nicht als geschlechtsneutral bezeichnet werden können, die Frauenförderpolitik sich konkreter Situationen und spezifischer Problemfelder widmet, muss Gender Mainstreaming als allgemeines, übergeordnetes Ziel verstanden werden.

Die Architekturfakultät versteht Gender Mainstreaming und Frauenförderung als Doppelstrategie, um eine quantitativ und qualitativ gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern auf allen Ebenen und in allen Bereichen von Wissenschaft und Forschung zu erreichen.

Zielvorgabe:

  • Gender Mainstreaming als Querschnittsaufgabe
  • Implementierungsprozesse fördern
  • Gender Kompetenz (Wollen, Wissen, Können)
  • Schaffung von Akzeptanz

Existiert geschlechtsgerechte Didaktik?

Ja

In der Vermittlung von Inhalten findet das Lernverhalten von Frauen und Männern Berücksichtigung. Zudem erfolgt eine »begleitende Betreuung« nach dem Mentorenmodell, die auf die spezifischen Bedürfnisse der Teilnehmer/innen einzugehen versucht.

Zielvorgabe:

  • Erstellung von geschlechtssensiblen Unterrichtsmaterialien; die Geschlechterkonformität der Lernobjekte sind zu untersuchen und sicher zu stellen.
  • Es gilt, das »generische Maskulinum«, weil es nicht nur bezeichnet, sondern auch beschreibt und bewertet, einzuschränken.

Wird Forschung zu Gender-Inhalten durchgeführt?

Zum Teil

Es existiert bislang kein eigens formuliertes Gender-Modul. Das wissenschaftliche Lehrpersonal widmet sich, seinen jeweiligen Forschungspräferenzen entsprechend, in Teilaspekten genderspezifischen Fragestellungen. Dazu gehört

  • die gesellschaftliche, politische und kulturelle Bedingtheiten von Architektur; Wissenschaftsgeschichte; kulturelle und historische Grundlagen usw.,
  • die unterschiedlichen Dimensionen von Transformationsprozessen in Bezug auf Geschlecht als zentrale Strukturkategorie wissenschaftlicher Erkenntnis und Wissens zu diskutieren, wobei die einzelnen Beiträge entweder von der Warte einer bestimmten Disziplin oder von einem interdisziplinären Standpunkt aus argumentieren.

Maßnahmen:
Die Fakultät für Architektur fördert den Auf- und Ausbau von Frauen- und Geschlechterforschung. Die einzelnen Lehreinheiten werden aufgefordert,

  • bei der Strukturplanung entsprechende Arbeitsgebiete und Lehrangebote zu berücksichtigen;
  • Fragestellungen zu methodologischen und inhaltlichen Themen der Frauen- und Geschlechterforschung in Forschung und Lehre zu fördern und
  • ein Klima sachlicher Auseinandersetzung und offener Diskussion zu ermöglichen.

Wie wird geschlechtsspezifische Didaktik bewertet?

Bislang nicht

Zielvorgabe:

  • Im Rahmen der Neukonzeption von Evaluierungsprozessen wird auch die Architekturfakultät diesbezügliche Bewertungen implementieren.

7. Erfolg

Veränderung der statistischen Zahlen

  • Der Anteil an Frauen an dem Professoren-Kollegium hat sich seit der letzten Erhebung nicht verändert; seit Nov. 2004 gibt es drei neue Vakanzen und 2 Wiederbesetzungen. Derzeit hat die Fakultät acht laufende Berufungsverfahren.

  • Der Anteil der Frauen in der Gruppe der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat gegenüber den Erhebungen der letzten Jahre ständig zugenommen und hat mit einem Anteil von 33% einen neuen Höchststand erreicht, der allerdings noch nicht als befriedigend zu bezeichnen ist.

  • Der Frauenanteil der wiss. Hilfskräfte in 2006 ist mit 70% sehr hoch. Die ausgeglichene Situation in den Jahren zuvor, hat sich deutlich zugunsten weiblicher Hilfskräfte entwickelt.

  • Der Anteil der Frauen in der Gruppe der nichtwissenschaftlichen Angestellten (NWA) bleibt mit ca. 75% gleich.

Das bei der letzten Erstellung des Frauenförderplanes im Winter 2004 hervortretende gravierende Ungleichgewicht an Frauen, vor allem in den höheren Gehaltsstufen, konnte nicht verbessert werden, daher besteht weiterhin beachtlicher Handlungsbedarf. Doch die richtige Entwicklungstendenz konnte eingeleitet werden, um die alle wissenschaftlichen Gruppen betreffende »Unterzahl« an Frauen zu verändern.

Die Bemühungen um die Erhöhung des Frauenanteils im Personalbestand der Fakultät werden durch zwei Fachbereichsvertreterinnen unterstützt, welche u. a. alle laufenden Berufungsverfahren begleiten.
Ihre Aufgaben bestehen des Weiteren, darin:

  • Informationen über auch außeruniversitäre Fortbildungsangebote im Bereich von Architektur, Städtebau, Management, Kommunikation, etc. zusammen zu tragen und zugänglich zu machen,
  • Ansprechpartnerin für Studentinnen der Fakultät ist im Falle von Bedrohungssituationen (Gewalt, Sexualität) zu sein,
  • für Studentinnen Vorbildcharakter zu haben und Studentinnen zu motivieren, sich beruflich weiter zu entwickeln.
  • den Erfolg des Frauenförderprogramms gemeinsam mit dem Dekan durch eine jährliche interne Evaluierung zu begleiten.

Aachen, den 03.05.2007