Halbzeit beim Wettbewerb "Solar Decathlon Europe 2012"

Counter Entropy House

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06.10.2011

In 365 Tagen ist es soweit: In Madrid wird der Sieger des "Solar Decathlon Europe 2012" gekürt. Dies ist ein guter Zeitpunkt für das Team der RWTH Aachen, eine Zwischenbilanz zu ziehen, da es sich gleichzeitig um das Bergfest der gemeinsamen Arbeit handelt. Anfang Oktober 2010 begannen 16 Architekturstudierende mit der Planung des ?Counter Entropy House?. Zu Beginn war dieses Projekt Bestandteil ihres normalen Master Studiums, da zu diesem Zeitpunkt mitten im Bewerbungsverfahren, noch nicht sicher war, ob sich das Team überhaupt für den internationalen Studierendenwettbewerb qualifizieren wird.

Ziel dieses ?solaren Zehnkampfes? ist es, ein nachhaltiges Wohnkonzept für zwei Personen zu entwickeln, das sich durch energieeffiziente Technik und die Eigenproduktion von Solarenergie auszeichnet und dadurch den Standard eines Nullenergiehauses erreicht. Insgesamt 20 Teams aus der ganzen Welt werden innerhalb von einer Woche ihr geplantes Gebäude auf dem Wettbewerbsgelände der ?Villa Solar? in Madrid errichten. Anschließend werden die Häuser von einer unabhängigen Jury in 10 verschiedenen Disziplinen bewertet. Der ?Solar Decathlon? dient vor Allem auch dazu, eine breite Öffentlichkeit für das Thema des energieeffizienten Bauens sowie für den Umgang mit erneuerbaren Energien zu sensibilisieren.

Im Januar 2011 kam die lang ersehnte Nachricht aus Madrid: Das Team der RWTH Aachen wird am "Solar Decathlon Europe 2012" teilnehmen. Der Entwurf des "Counter Entropy House? hatte die Jury überzeugt: Das Konzept basiert auf der Idee eines ressourcenschonenden, energieoptimierten Lebenszyklus des Gebäudes, bei dem sowohl die Herstellung der Bauteile als auch ihr Transport und die spätere Entsorgungsmöglichkeit ganzheitlich betrachtet werden. Um die Energiebilanz auf ein Minimum zu reduzieren, werden bevorzugt Produkte verwendet, die möglichst wenig graue Energie beinhalten. Dazu soll das Thema ?Super-Cycling? in verschiedenen Varianten im Gebäude umgesetzt werden. Neben Produkten, die aus recyceltem Material bestehen, wird der Entwurf auch durch direktes oder indirektes ?Objekt-Recycling? geprägt. Damit ist die Wiederverwendung bestimmter Gegenstände gemeint, die entweder in ihrer ursprünglichen Funktion eingesetzt werden oder eine Umnutzung erfahren.

Mit der erfolgreichen Qualifikation wurde aus dem anfänglichen Studierenden-Projekt die besondere Herausforderung, ein funktionierendes Haus auf einem hohen technischen Niveau zu planen und zu errichten. Was dies tatsächlich bedeuten würde, begriffen die meisten Studierenden erst auf der ?Bau 2011? in München, wo sie Teilnehmer der vier deutschen Teams kennenlernten, die 2010 am Wettbewerb teilgenommen hatten. Diese berichteten von ihren Erfahrungen und gaben wertvolle Tipps, worauf man am besten achten sollte. Sie machten darauf aufmerksam, wie stressig der Wettbewerb gewesen war und wie viel Arbeit die gesamte Vorbereitung und Planung bedeutet hat. Den Architekturstudierenden wurde spätestens jetzt klar, dass sie dringend die Hilfe von Studierenden anderer Fakultäten brauchen würden, um die Wettbewerbsanforderungen erfüllen zu können.
So vergrößerte sich das ?Counter Entropy?-Team zu Beginn des neuen Semesters um Studierende der Fachrichtungen Maschinenbau, Bauingenieur- und Wirtschaftsingenieurwesen.

Seit diesem Zeitpunkt ist mehr als ein halbes Jahr vergangen. Das Team hat in den letzten Monaten gelernt, interdisziplinär zu arbeiten und sich selbst immer besser zu organisieren, was in einem Team von fast 50 Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen mit verschiedenen Studienplänen nicht immer einfach ist. Um den Zusammenhalt der großen Gruppe zu stärken, fanden unterschiedliche Events wie ein gemeinsamer Ausflug in den Kletterwald oder Teambuilding-Seminare statt.

Bei der Arbeit am Gebäudeentwurf stellte das selbstgewählte "Counter Entropy" Konzept ebenfalls immer wieder eine Herausforderung dar. Was lässt sich mit der besonders nachhaltigen Idee vereinbaren? Wie viel Energie darf in einem Produkt stecken, damit es dem Konzept noch gerecht wird? Ist es möglich solch ein Konzept bei einem Wettbewerb durchzuhalten, in dem vor allem Wert auf ein technisch innovatives Haus gelegt wird? Doch alle diese Fragen und Reibungspunkte führen dazu, dass das Team sein Konzept nie aus den Augen verliert und sich immer wieder selbst am Anspruch "Counter Entropy" misst.

Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten ist die Planung des Gebäudes Schritt für Schritt vorangegangen, so dass nach dem ersten Jahr Arbeit die Ausführungsplanung nun weitestgehend abgeschlossen ist. Wenn alles so läuft, wie es sich das Team wünscht, wird ab Oktober in einer Halle auf dem Gelände des Forschungszentrums in Jülich mit dem Bau des Hauses begonnen. Mit Hilfe einer modularen Bauweise soll bis Mitte nächsten Jahres ein Gebäude aus mehreren Teilelementen entstehen, die anschließend auf LKWs nach Madrid gefahren werden können.

Um den Wettbewerb und das ?Counter Entropy House? einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und damit auch auf das Thema des energieeffizientes Bauen aufmerksam zu machen, hat das Team der RWTH Aachen bereits eine Vielzahl von Veranstaltungen geplant und durchgeführt. Die Studierenden präsentierten sich auf Messen, in Vorlesungen an der Universität oder auf Konferenzen, um sowohl bei den Kommilitonen/innen, der gesamten Aachener Bevölkerung, als auch beim Fachpublikum bekannter zu werden.

Das nächste Jahr wird für das gesamte Team eine spannende und lehrreiche Herausforderung werden. Um diese besondere Phase bis zum Wettbewerb einzuleiten, fahren die Studierenden diese Woche zu einer offiziellen Veranstaltung nach Madrid und setzten sich dort mit den anderen Teams zusammen. Vor Ort sollen letzte Unklarheiten beseitigt werden, so dass einem erfolgreichen Abschluss des "Solar Decathlon Europe 2012" nichts im Wege steht.

Das ?Counter Entropy House? des RWTH-Teams wird gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

Autoren: Julia Hüsgen und Christine Wolff

Weitere Informationen finden Sie unter: http://solar.arch.rwth-aachen.de