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15.12.2014

Studierende der Fakultät Architektur beraten die Landwirtschaft im Münsterland

Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Tierhaltung findet aktuell große Beachtung in den Medien. Diskussionsrunden, Wochenzeitungen (Die Zeit 48-51/2014) und sogar ein Tatort setzen sich mit dem Thema auseinander.
Einen Beitrag zu positiven Entwicklungsmöglichkeiten in der Tierhaltung leisteten Studierende der Fakultät für Architektur der RWTH Aachen University im Rahmen eines viertägigen Entwurfsworkshop im Westmünsterland.
Das Münsterland ist eine landwirtschaftliche Boomregion, vor allem in der Fleisch und Milchproduktion. Mehr als die Hälfte der Schweine sowie ca. ein Drittel der Rinder, Hühner und Truthühner des Landes NRW werden hier gehalten. Zugleich ist die Region für ihre landschaftliche Schönheit als Parklandschaft bekannt. Das Wachstum der Landwirtschaft erreicht jedoch Grenzen, sowohl im Hinblick auf die Ressourcen Wasser und Boden, als auch im Hinblick auf das Tierwohl und die Lebensqualität der Landschaft für den Menschen.
Junge Landwirtinnen sind gemeinsam mit der Regionale 2016 auf der Suche, wie sie in Zukunft Tierhaltung in der Region betreiben können. Die neuen Stallgebäude, die sie mit der Übernahme der elterlichen Höfe bauen wollen, sollen nicht nur wirtschaftlich effizient sein, sondern sich auch in die Landschaft und die vorhandenen Hofstellen einfügen, die Tiergesundheit verbessern, störende Emissionen vermeiden und auch für Landwirtinnen eine geeignete Arbeitsumgebung bieten.
Die Fakultät für Architektur konnte aus ihrem Forschungsfeld "Infrastructure, Production and Process" heraus mit 21 Studierenden des Lehrstuhls für Landschaftsarchitektur einen Beitrag zu diesem Prozess leisten. In einem interdisziplinären Workshop mit Studierenden der Tiermedizinischen Hochschule Hannover und Fachschülern der Agrarwirtschaft wurden vom 24.-28.11.2014 neue Stallbaukonzepte entwickelt und der Öffentlichkeit vorgestellt. Zusammen mit den jungen Betriebsleiterinnen dreier Höfe wurden passgenaue bauliche Lösungen für die Milchviehhaltung, Ferkelproduktion und Putenmast entwickelt. Räumlich optimierte Betriebsabläufe für eine bessere Arbeitseffizienz und Tierhygiene mit reduziertem Medikamenteneinsatz waren dabei ebenso Thema wie die Möglichkeit über die Architektur Einblick in die Produktionsprozesse der Tierhaltung zu geben und eine transparente, dem Verbraucher zugewandte Landwirtschaft zu schaffen. Jeweils angepasst an die Tierarten wurden Verbesserungen des Tierwohles, nicht nur über ein größeres Platzangebot sondern über die Förderung des spezifischen Individual- und Sozialverhaltens der Tiere in die baulichen Entwürfe integriert. Eine besondere Leistung gegenüber üblichen Standards im Stallbau stellt die Integration der Erweiterungen in die bestehenden Betriebe dar, die auch die Wiederverwendung vorhandener Baustoffe und die Nutzung vorhandener Potenziale für die Wärme- und Kälteproduktion einbezieht.
In der öffentlichen Abschlusspräsentation stießen die Ergebnisse auf großes Interesse bei den Vertretern der Landwirtschaftsverbände und -kammern, der landwirtschaftlichen Bauförderung, der örtlichen Planungsbehörden und Architektenschaft. "Viele Elemente und Ideen lassen sich in die zukünftige Stallbaupraxis übernehmen", war die einhellige Meinung der Jury.
Die Studierenden wiederum, zu Beginn des Workshop im Bereich der Tierhaltung noch Laien, zeigten sich begeistert von der Möglichkeit ihre an der Hochschule erworbenen Kompetenzen an einer interdisziplinären, aktuellen und lebensnahen Planungsaufgabe anwenden zu können.

Foto: André Dünnebacke / Regionale 2016 Agentur