WerkRaum - Forschungswerkstatt am Ringlokschuppen Aachen West // Lena Kurzawa

Steckbrief

Eckdaten

Absolventin:
Lena Kurzawa
Abschluss:
Master of Science
Betreuerin:
Stefanie Kerner
Prüfer:
Prof. Christian Raabe
Co-Prüfer:
Prof. Rolf Westerheide
Einrichtung:
Lehr- und Forschungsgebiet Denkmalpflege und Historische Bauforschung
 

Der teils denkmalgeschützte Ringlokschuppen und sein flankierender Funktionsbau dienten dem ehemaligen Bahnbetriebswerk Aachen West und sind heute Ausgangspunkt des Entwurfs für ein neues lebendiges Quartier als Teil der Campuserweiterung der RWTH Aachen.
Die vier Hauptnutzungen, Tagen, Arbeiten, Leben und Wohnen, sind Inkubatoren für das Areal des WerkRaums rund um den Ringlokschuppen. Sie antizipieren durch unterschiedliche städtebauliche und architektonische Ausprägungen eine neue Identität für den Ort und ihre Nutzer.

Maßgeblich für die räumliche Struktur ist dabei ein ca. 120 m langer Riegel, der einen „Shared Working Space“ oder Arbeitsraum für Studierende, Wissenschaftler und Gastforscher beherbergt. Er prägt den Ort sowohl extern als auch intern.
Die, teilweise durch ein Mesh verschattete, transluzente Polycarbonatfassade gibt das Schattenspiel der Nutzer zur Straße und zu den Bahngleisen wieder, sodass der Riegel, den Verkehr begleitend, als nördliches Tor der Campuserweiterung, auf den regen wissenschaftlichen Austausch innerhalb des universitären Kontexts verweist. Intern dient er zudem als Limitierung des Platzes vor dem Ringlokschuppen. Dieser spannt sich zwischen dem Bestandsgebäude, den Arbeitsriegel und dem neuen Tagungsgebäude auf und bietet einen grünen Rückzugsort. Er ist thematischer und geometrischer Mittelpunkt, der alle Nutzungen der umliegenden Bebauung vereint. Der gastronomische Außenraum, ein offenes Auditorium und Heckentheater und zahlreiche Möglichkeiten des Verweilens bespielen den Außenraum.

Der südliche Tagungsbereich, mit seiner transparenten Pfosten-Riegel-Fassade, setzt sich zaghaft auf den denkmalgeschützten Bestand der Kohlenbühne auf. Der vitrinenartige Bau bildet den Übergang zur geplanten Clusterbebauung diverser Institute im Süden des Gebiets. Außerdem fängt er den Besucher, von Süden kommend, durch die Attraktion der umschlossenen Ruine der Kohlenbühne ein. Dieser wird weiterhin zwischen Tagung und Arbeitsraum über Wege, die den ursprünglichen Schienenplan der Anlage folgen, und unter der Brücke, die Fuge zwischen den beiden Gebäuden, auf den Platz geleitet.

Im Ringlokschuppen und den daran anschließenden ursprünglichen Werkstattbau befinden sich eine studentische Biermanufaktur und die dazugehörige Gastronomie mit Ausschank. Der Werkstattgedanke und Funktionalismus, der den Bau dieses Bestands prägte, soll auch hier weiterhin Beachtung finden. Somit schafft der Ringlokschuppen die Möglichkeit innerhalb des Forschungskontextes der Universität einen Ort des Experimentierens. Mittels zahlreicher, integrierten Glasboxen in der großen segmentkreisförmigen Werkstatthalle des Schuppens wird der Prozess des Bierbrauens und somit die wissenschaftliche Expertise, zum Exponat. Auch der dazugehörige Hopfenanbau findet architektonischen Ausdruck, indem er Teil der Platzgestaltung und -nutzung ist.
Weitere Funktionsräume wie Küche, Lager, Büros, etc. finden ebenfalls minimalinvasiv ihre Verortung im Denkmal. Sie gliedern sich räumlich in die Bestandsstruktur des alten Werkstattriegels ein.

Dieser Werkstattriegel leitet außerdem städtebaulich in die nördliche Zone des Areals über und bildet den Anschluss zur Wohnbebauung. Diese Anlage bildet den Übergang zum Grünraum nördlich des Areals und dem Stadtrand Aachens, sodass die Anwohner, von einer ausgeprägten Privatsphäre profitieren. Sie wird durch eine kleine Punktbebauung und das Versetzen der einzelnen Elemente erhöht. Der dazwischen befindliche Grünraum bildet einen nachbarschaftlichen Ort des Austauschs, der durch intendierte Begegnungsräume, Hängematten, Grillplatz, Multifunktionsraum und Gemeinschaftsräumen in jedem Haus, intensiviert wird.
Die als Holzständerbau errichteten Module dienen einer vielseitigen und dabei nachhaltigen und ökonomischen Planung von drei verschiedenen Haustypen. Durch das das Integrieren von Einbaumobiliar wird dem Gastwissenschaftler oder -dozent, für den diese Wohnungen geplant sind, eine wohnliche Atmosphäre geboten.

Der ursprüngliche Ort der Werkstatt wird somit zum Ort der Arbeit und des Austauschs, wobei die Forschung und die Wissenschaft das Produkt, die Lok, ersetzt. Der Ringlokschuppen und seine Umgebung werden zur Stätte an dem nun nicht mehr verschiedene Gewerke, sondern diverse Denker durch eine vereinende Architektur, ineinandergreifen können.

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