Dach überm Kopp // Anatol Bogislav

Steckbrief

Eckdaten

Absolvent:
Anatol Bogislav
Abschluss:
Master of Science
Betreuerin:
Anna Weber
Prüferin:
Prof. Anne-Julchen Bernhardt
Co-Prüfer:
Prof. Alexander Markschies
Einrichtung:
Lehrstuhl für Gebäudelehre
 

„Housing first“ richtet sich an Menschen, die ein hohes Maß an Hilfe brauchen, um die Obdachlosigkeit hinter sich zulassen. Ziel ist es wohnungslosen Menschen Zugang zu medizinischer/psychischer Versorgung zu schaffen und Hilfestellungen bei der sozialen Integration in die Gemeinschaft zu geben. Hauptziel ist die soziale Inklusion von Wohnungssuchenden, wobei der Wohnraum als Basis dienen sollte. „Housing First“ ist an Personen und nicht an den Wohnraum gebunden.

Vergleich wohnungslosen Hilfe und „Housing First“

Die Wohnungslosenhilfe versucht durch Unterstützungsbedarf Wohnungssuchende wieder wohnfähig zu machen, um ihnen dann Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Zur Beurteilung der Wohnfähigkeit durchlaufen Wohnungslose ein Stufenplan, der mit der Abstinenz beginnt.

„Housing First“ stellt anfangs, kombiniert mit mobilen Unterstützungsangeboten, Wohnraum zur Verfügung. Wohnen wird als Ausgangspunkt und nicht als Endziel gesehen. Es besteht keine Forderung ein Unterstützungsangebot wahrzunehmen.

Mittellose Menschen fristen heute immer noch ein Dasein in Abhängigkeit von Wohltätigkeit und Kriminalität. Armut bedeutet heute, wie damals Bedürftigkeit. Es kommt mir vor, dass immer noch das Bestreben vorherrscht bedürftige Bürger zu disziplinieren. Vermutlich, da ihnen latent vorgeworfen wird resistent gegen Disziplinierung durch Arbeit und „traditionelle, kulturelle Normen zu sein - der Norm feindselig gegenüber.“ Problematisch finde ich außerdem, dass immer noch die Hilfestellung an Ertüchtigung gekoppelt ist, nämlich der Reproduktion. Da die Übergangsheime dem Mindestanspruch erfüllen müssen menschenwürdig zu sein, sind sie die von Amtswegen gebaute de facto Definition des Menschen würdigen Wohnens.

Das Obdachlosen-Dilemma

Menschen, die ihre Wohnung verloren haben und mittellos sind, bekommen von der Regierung die Möglichkeit bis zum Ende ihrer Notsituation in Übergangsheime zu ziehen. Jeder Bürger hat das Recht eine solche Unterkunft zu beziehen, jedoch ist der Zustand dieser Unterkünfte oft unzumutbar schlecht.

Ich finde es einerseits richtig, dass die Regierung sagt, „in Deutschland muss keiner auf der Straße leben“, jedoch ist das Angebot an Hilfe problematisch bis unzureichend. Obdachlosigkeit und der damit einhergehende Wohnraumverlust setzen sich zusammen aus mehreren ineinandergreifenden Faktoren.

Die architektonische Konzeption der „Übergangsheime“ ist ein Teil der Problematik, gleichzeitig ist diese ein essenzieller Aspekt.

  1. Ort, Grundstück und Bestand

Das Grundstück befindet sich in der Markstraße 10, auf dem Gebiet des Großmarkts in der Kölner Südstadt. Das Gebäude ist ein besetztes 5 Stöckiges Haus mit einer rückseitig angeschlossenen Lagerhalle. Im Zuge des städtebaulichen Projekts „Parkstadt Süd“ soll dieses Gebäude abgerissen werden und durch eine Parkanlage/Wiese ersetzt werden. Das Haus ist in einem guten Zustand und bietet Lebensraum für über 30 ehemals obdachlose Menschen.

  1. Besetzung

Mit Beginn der Corona Pandemie und der Aufforderung zu Hause zu bleiben, sind „ehemals obdachlose“ Menschen in das Haus eingezogen. Später haben sie dieses dann für besetzt erklärt. Der Versuch einer Zwangsräumung durch die Polizei konnte abgewehrt werden. Um eine Eskalation zu vermeiden hat die Stadt dann auf die Räumung des Hauses verzichtet. Es wurde sich darauf geeinigt, dass die Bewohner bis zum Abbruch dort wohnen dürfen. Nach Abbruch sollen die Bewohner, welche sich „OMZ – Obdachlose mit Zukunft nennen“, in Ersatzunterkünfte untergebracht werden.

  1. Ziel

Die in den vorherigen Kapiteln beschriebenen Erkenntnisse und Thematiken fließen in die architektonische Konzeption für das Haus an der Marktstraße 10 ein. Mit dem Ziel, das Wechselspiel zwischen der gewünschten Autonomie und dem Bedarf an Sicherheit in ein Gleichgewicht zu setzt. Das Projekt „Dach überm Kopp“ vereint mehrere Disziplinen der Wohlfahrt unter einem Dach, um die Führsorge für die Bedürftigen bestmöglich zu gestalten.

  1. Infrastruktur Projekt

Das Haus an der Marktstraße 10 ist in einem zu guten Zustand, um es abzureißen. Außerdem würde ein Erhalt das Bauvorhaben der Stadt nicht behindern. An der Stelle wo das besetzte Haus steht, ist kein Neubau vorgesehen.

Meine Arbeit kommentiert den Abbruch des Hauses als ungerechtfertigt und plädiert für den Erhalt der Marktstraße 10. Die Arbeit sieht stattdessen vor, das Haus mit diversen architektonischen und infrastrukturellen Eingriffen zu ertüchtigen. Es soll der, von den „ehemals Obdachlosen“ angeeignete, Wohnraum verbessert werden und auf einen höheren Standard gebracht werden. Die Halle soll ein sehr öffentlicher Ort sein, dessen Angebot von allen Bewohnern der Stadt genutzt werden kann. Obdachlose Menschen sind hier besonders willkommen und haben die Möglichkeit zu bestimmten Uhrzeiten eine Verpflegung zu bekommen.

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