Soziale Dienstleistungen als Chance // Pitt Lion Gerlich

Steckbrief

Eckdaten

Absolvent:
Pitt Lion Gerlich
Abschluss:
Master of Science
Betreuerin:
Anna Weber
Prüferin:
Prof. Anne-Julchen Bernhardt
Co-Prüferin:
Prof. Carolin Stapenhorst
Einrichtung:
Lehrstuhl für Gebäudelehre & Grundlagen des Entwerfens
 

Inklusion hat sich in den letzten Jahrzehnten von einem Randgruppenthema zu einer gesellschaftsumspannenden Problematik gewandelt. Die Überalterung unserer Gesellschaft wird auch zu einem deutlich größeren Anteil an Menschen mit Behinderungen führen. Dabei spannen sich zwei Themenfelder auf: das der menschenwürdigen Pflege und die Integration in den Arbeitsmarkt. Sowohl im Wohnen als auch in der Arbeit müssen neue Wege eröffnet werden, um auf die erweiterten Anforderungen der behindertengerechten Planung zu reagieren. Inklusion meint aber letztendlich vor allem eine Form des vorurteilsfreien Miteinanders, deshalb gilt es vor allem eine größere Vielzahl an Arbeits- und Pflegemodellen zu ermöglichen, bei denen eine größere Überschneidung und Begegnung verschiedener Gruppen entstehen kann und eine räumliche Segregation vermieden wird.

Das Projekt versucht solch ein neues Nutzungskonzept vorzuschlagen, welches möglichst viele Synergien zwischen bestehenden Lösungen herstellt. Vorgeschlagen ist die Kombination einer Wohnform für ältere Menschen und eine Plattform für verschiedene Tätigkeiten der Behindertenarbeit in einer städtischen Form.

Die These ist, dass für die Behindertenarbeit eine Umorientierung von den bestehenden Werkstattkonzepten im produzierenden Gewerbe, zu dienstleistenden und viel feiner über den Stadtraum verteilten Einrichtung hin wünschenswert wäre. Der Vergleich der Funktionen der bestehenden Arbeitsplätze mit den Angeboten der Pflege lässt eine große Überlappung der Tätigkeiten erkennen. Dies ergänzt die offensichtlichen Synergien in den Anforderungen an senioren- und behindertengerechten Planungen auf der technischen Ebene. Aus Sicht der Pflege könnte der Einsatz von Behinderten auch in der Pflege und den die Pflege begleitenden Tätigkeiten einen entscheidenden Beitrag zur Entlastung der Pfleger und zur Verbesserung des Pflegeschlüssels leisten.

Der Entwurf befindet sich in Düsseldorf Pempelfort, im Herzen der Stadt an der Spitze eines dreieckigen Parks, welcher im Süden von einer Einrichtung für sozialschwache Jugendliche eingenommen wird, auf der Fläche eines ehemaligen Parkplatzes. Das Gebäude führt die Thematik der Umfriedung, welche das restliche Gebiet prägt, weiter. Diese Umfriedungsmauer wird an der Spitze aufgebrochen um einem sicheren Vorplatz Raum zu geben. Dieser Sockel nimmt die verschiedenen Räume der Arbeit und der Öffentlichkeit auf. In der Zwickelzone des L-förmigen Grundrisses werden die Sonderfunktionen der Institution und der Erschließung geführt. Dies führt zu einem störungsfreien linearen Wohnungsraster. Dieses Raster ist optimiert, um eine möglichst große Menge an zur Pflege vorbereiteten Wohnungstypen zu erlauben. Erschlossen werden die Wohnungen durch einen wintergartenähnlichen Wohnflur, welcher je nach dem Geschmack des Bewohners mehr oder weniger Teil der Wohnfläche werden kann. Das Haus ist im Äußeren stark durch seine Grenzlage an Stadt und Park geprägt. Die nordöstlichen Fassaden orientieren sich zur Stadt und an den sie umgebenden Gebäuden. Sie sind glatt und steinern, nur aufgebrochen durch die Linien des verspringenden Sockels und den bunten Markisen.

Die parkseitige Fassade wird von dem teilgemeinschaftlichen Wohnflur dominiert. Sie ist profiliert und gläsern. Erker ergeben kleine Nischen mit Freiraumbezug. Im Süden treppt sich das Gebäude ab und eröffnet große begrünte gemeinschaftliche Dachterrassen. Am Ende des Gebäudes führen Außentreppen in den Grünraum. Diese sind eine direkte Zuwegung für den Park und sichern eine Entfluchtung des Gebäudes mit sicheren Wartezonen im Außenraum für Menschen, welche der Selbstrettung nicht fähig sind.

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