Traumfabrik gegen die Maßlosigkeit // Dominique Ramrath

Steckbrief

Eckdaten

Absolventin:
Dominique Ramrath
Studiengang:
Architektur
Abschluss:
Master of Science
Betreuerin:
Dr.-Ing. Julia von Mende
Prüferin:
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Anne-Julchen Bernhardt
Co-Prüferin:
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Christa Reicher
Einrichtung:
Lehrstuhl für Gebäudelehre
 

Eine neue Infrastruktur gegen eine Dissoziation in der Zugänglichkeit von Lebensmitteln und für einen gerechten Umgang mit Lebensmittelüberschüssen

Jeder ahnt, dass unser Ernährungsverhalten und globale Veränderungen eng zusammenhängen. Wir pflegen teilweise einen erschreckend unausgeglichenen Umgang mit Lebensmitteln. Ein Drittel der weltweit für den menschlichen Verzehr geernteten und produzierten Lebensmittel landet auf dem Müll, Schätzungen für die Industrieländer gehen sogar von der Hälfte aus.

Es wird in vielerlei Hinsicht deutlich, dass es einen gegenwärtigen Anlass für eine Ernährungswende gibt. Dieser äußert sich vor allem in unzureichenden Lebensmittelnahversorgungsangeboten für Bedürftige, riesigen Mengen an Lebensmittelüberschüssen und einer kaum vorhandenen Ernährungsbildung. Ein weiterer Anlass für eine Ernährungswende liegt bei dem aufkommenden Wunsch nach Lokalisierung und Regionalisierung als Alternative zur Globalisierung. Räumliche und zeitliche Bezüge werden bei dem individuellen Konsum völlig ignoriert, woraus eine ort- und raumlose Wahrnehmung des Nahrungssystems entsteht.

Im Rahmen dieser Arbeit wird das Augenmerk auf die letzten Abschnitte der Wertschöpfungkette gelegt, da hier das größte Verbesserungspotential mithilfe eines architektonischen Ansatzes innerhalb einer Stadt vermutet wird. Die exemplarische Untersuchung von Köln als Großstadt mit einem denkbar breitem Nahversorungs- und Ernährungsbildungsangebot zeigt, dass es verschiedene raumplanerische und architektonische Bedürfnisse gibt. Zwar ist die Stadt mit Organisationen wie dem Ernährungsrat, der Kölner Tafel, The Good Food und Foodsharing bezüglich aktueller Ernährungsfragen und -antworten breit aufgestellt, dennoch ergeben sich aus den Kartierungen, den Experteninterviews und Exkursionen spezifische räumliche Lücken.

Das entwurfliche Resultat soll mittels einer neuen multifunktionalen Infrastruktur diese Lücken schließen und eine Ergänzung zu den bereits bestehenden Organisationen sein. Es handelt sich bei diesem Ansatz weniger um eine Ursachenbekämpfung von entstehenden Lebensmittelüberschüssen und gesellschaftlicher Ausgrenzung, als vielmehr um ein Sichtbarmachen und Eingreifen in den momentanen Zustand. Es sollen Ausgrenzungsprozesse entschärft werden, indem eigenständige Welten des Konsums vermieden werden und ein gleichberechtigter Zugang ermöglicht wird. Da es sich bei dem Entwurf um ein Geflecht von neuen Gebäudetypen und Mikroorten handelt, wurden hier exemplarisch zwei dieser Typen und das Stadtmobiliar für die zu integrierenden Mikroorte in dem Kölner Bezirk Kalk entworfen.

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