Ein drittes Frauenhaus für Köln // Julie Vormweg

Steckbrief

Eckdaten

Absolventin:
Julie Vormweg
Studiengang:
Architektur
Abschluss:
Master of Science
Betreuer:
Wolfgang Zeh Dipl.-Ing.
Prüferin:
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Anne-Julchen Bernhardt
Co-Prüfer:
Univ.-Prof. Dr. phil. Alexander Markschies
Einrichtung:
Lehrstuhl für Gebäudelehre
 

Frauenhäuser sind meist anonyme Unterkünfte für Frauen und Kinder, die aus ihrem sozialen Umfeld fliehen müssen, um sowohl physischer als auch psychischer Gewalt durch enge Familienmitglieder zu entkommen. Die Schutzunterkünfte bieten neben dem Wohnraum auch professionelle Beratung für die Bewohner*innen an, um sie auf dem Weg zu einem unabhängigen und angstfreien Leben zu begleiten.

Die Entstehung der Frauenhäuser lässt sich auf die zweite Welle der Frauenbewegung in den 1970er Jahren zurückführen. Zu dieser Zeit entstand die erste Schutzunterkunft in Chiswick, durch die Eigeninitiative von Erin Pizzey. In Deutschland eröffneten die ersten autonomen Häuser ab 1976 in Berlin, Bielefeld und Köln. Sie basieren auf Eigeninitiative und mit der Gründung des Vereins Frauen helfen Frauen e.V.

Inzwischen gibt es in Deutschland rund 350 anonyme und bekannte Frauenhäuser. Die Istanbulkonvetion hat 2018 offengelegt, dass sich die Anzahl an Schutzplätzen weit unter dem Richtwert befindet. Dadurch hat sich die Stadt Köln 2019 dazu entschlossen ein drittes Frauenhaus zu bauen. An dieser Entscheidung knüpft diese Arbeit an.

Basierend auf Besichtigungen bestehender Häuser und Gesprächen mit Frauenhausmitarbeiterinnen und ehemaligen Bewohnerinnen, wurde ein übergeordnetes Raumprogramm für den Entwurf entwickelt. Dieses beinhaltet die Räume der Betreuung und Arbeit, die Räume der Gemeinschaft sowie den privaten Raum.

Konzept

Grundlegende Idee war, ein Frauenhaus mit bekannter Adresse zu entwerfen, in dem 10 Frauen mit bis zu 20 Kindern Schutz aufsuchen können.

Dabei wurde der Versuch unternommen, Schwellenräume zwischen privatem, gemeinschaftlichem und betreutem Raum zu entwickeln, die den Frauen und Kindern eine schnelles einbinden in die Gemeinschaft ermöglicht, gleichzeitig aber auch genügend Rückzugsraum zur Verfügung stellt. Als Referenz diente hierzu der Kupferstich Marienleben V: Das Wochenbett von Albrecht Dürer, auf dem sich verschiedene Räume der Gemeinschaft abbilden.

Das Gebäude fügt sich in die Blockrandbebauung der Ohmstraße bündig ein und besteht aus drei mit einander verbundenen Baukörpern. Der Baukörper, der sich zur Straße hin orientiert, beherbergt in den ersten beiden Geschossen den betreuten Raum. Dieser grenzt an die Eingangshalle und den Innenhof an, wodurch er sich zum Frauenhaus öffnet, jedoch nicht in den Wohnraum der Frauen eindringt.

In den folgenden Etagen befinden sich die Wohneinheiten, welche über einen Laubengang erschlossen werden. Die zehn Wohneinheiten bestehen aus einem durchgesteckten Wohnraum mit variabler Anzahl an Betten. Darüber hinaus verfügt jedes Zimmer über ein Studiolo, welches als privater Rückzugsraum dient. Das Dachgeschoss bildet sich als pavillonartiger Baukörper aus, welcher den betreuten Kinderbereich beherbergt.

Der zum Hof gerichtete Bereich des Gebäudes beherbergt auf mehreren Etagen verteilt die gemeinschaftlichen Räume. Diese öffnen sich zum Treppenraum hin und laden zur Nutzung ein.

Kontakt zum Absolventen: