Integrierte Wohnmodelle in der Nutzungsphase : eine Nachuntersuchung von vier Modellvorhaben des 'Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus -ExWoSt'

Scherzer, Ulrike; Selle, Klaus (Thesis advisor)

Aachen : Publikationsserver der RWTH Aachen University (2003)
Doktorarbeit

Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2003

Kurzfassung

Kontext der Arbeit. In den 90er Jahren wurden als wohnungspolitische Antwort auf die Phänomene der Individualisierung und des demographischen Wandels mehrere Projekte des "Integrierten Wohnens" realisiert. Der Integrationsaspekt konzentrierte sich für diese Projekte auf eine Generationen übergreifende Perspektive: Menschen verschiedener Altersgruppen und Lebenszusammenhänge sollten durch soziale und räumliche Maßnahmen integriert werden. Von 1989 -1992 förderte das Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau im Forschungsfeld "Ältere Menschen und ihr Wohnquartier" seines Ressortforschungsprogramms "Experimenteller Wohnungs- und Städtebau -ExWoSt" vier Wohnprojekte unter dieser Überschrift. Ihre Standorte sind in Altusried, einer dörflichen Gemeinde bei Kempten und in den Innenstädten von Kempten, Hamburg und Saarbrücken. Die Planungsphase der Projekte wurde im üblichen Rahmen der "ExWoSt"-Programme durch Begleitforschung flankiert und dokumentiert. Die Zielverwirklichung der Modellprojekte in der Nutzungsphase wurde bisher nicht untersucht. Fragestellung der Arbeit. Die vorliegende Arbeit entstand vor dem Hintergrund dieses Forschungsdefizits. Sie thematisiert die Nutzungsphase der vier integrierten Wohnprojekte des "ExWoSt"-Programms. Die Untersuchung hat das Ziel, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche räumlichen und sozialen Bedingungen und Prozesse die Ziele des "Integrierten Wohnens" begünstigen bzw. erschweren. Alle vier Modellvorhaben bieten sich für eine empirische Untersuchung an, da die Projekte Pilotcharakter hatten, umfangreiches Forschungsmaterial aus der Planungsphase vorliegt und der Erfahrungszeitraum bereits zehn Jahre umfasst. Methodisches Vorgehen Zu Beginn der Arbeit wird der Problemkontext - demografische, soziale und wohnungspolitische Rahmenbedingungen - beschrieben (Kapitel 1). Vor dem Hintergrund der einschlägigen Wohnforschung erfolgt eine Präzisierung der Fragestellung (Kapitel 2). Ein daraus entwickelter Themenkatalog bildet den inhaltlichen Rahmen aller weiteren Arbeitsschritte. Für die Untersuchung der einzelnen Projekte wird eine qualitative Methode gewählt: Leitfadeninterviews mit ausgewählten Bewohnern und Experten sowie Nutzungsbeobachtungen vor Ort (Kapitel 3). Parallel zu den Interviews werden in einer Sekundärquellenanalyse und durch Primärerhebung Daten und Fakten zur Charakterisierung der Projekte ermittelt und ausgewertet (Kapitel 4). Die Interpretation der Ergebnisse (Kapitel 5) geschieht auf zwei sich ergänzenden Zugangsebenen: • Gegenüberstellung der Meinung von Bewohnern und Experten im Hinblick auf die im Projekt formulierten Zielvorstellungen sowie Daten und Zahlen der Projekte (Kapitel 5.1 und 5.2) • Vergleich der vier Projekte untereinander (Kapitel 5.3). Ergebnisse und Empfehlungen. Die Projekte unterscheiden sich in Entstehungsgeschichte, Standort, Wohnungsanzahl und -typen, Erschließung sowie in ihrer infrastrukturellen Ausstattung. Auch die Konstellationen bezüglich Begleitforschung, Mitsprache- und Gestaltungsmöglichkeiten der Bewohner sowie die Haltung der Investoren zu den Projektzielen sind unterschiedlich. Die Untersuchung lässt zunächst zu, für die einzelnen Projekte bezogen auf die eingangs formulierten Fragestellungen Problemfelder zu benennen und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Integration in der Nutzungsphase zu formulieren (Kapitel 6.1). In allen vier Beispielen sind allerdings auch ähnliche Wirkungszusammenhänge sozialer und räumlicher Faktoren identifizierbar. Die Analyse erlaubt deshalb durchaus, Trends zu erkennen und Hinweise zu formulieren, die allgemein für Projekte des "Integrierten Wohnens" relevant sind (Kapitel 6.2). Darüber hinaus konnte mit der Arbeit grundsätzlicher Forschungsbedarf im Hinblick auf die Notwendigkeit weiterer Nutzungsanalysen, der Ermittlung und Gegenüberstellung wohnungswirtschaftlicher und gesellschaftlicher Kosten und Nutzen sowie im Hinblick auf die Bereitstellung von Informations- und Bildungsangeboten für alle Beteiligten abgeleitet werden (Kapitel 6.3).

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