Raumakustik - Interaktion visueller und auditiver Wahrnehmungen

Abou-Elleal, Esam Ragab Esmail; Führer, Wilfried (Thesis advisor)

Aachen : Publikationsserver der RWTH Aachen University (2003)
Doktorarbeit

Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2003

Kurzfassung

Die Wirkung eines Raumes auf den Menschen wird durch verschiedene Elemente bestimmt. Davon spielt die architektonische Gestaltung wie Form, Größe, Farben, Beleuchtung etc. eine Rolle. Außerdem ist die Akustik bei einigen Nutzungsarten von Räumen (z.B. Klassenräume, Hörsäle, Theater, Konzertsäle, Kirchenräume usw.), in denen Sprache vorgetragen oder Musik aufgeführt wird, eine Ergänzung des Charakters dieser Räume. Ziele der Arbeit sind zunächst Untersuchungen zur Verbesserung der akustischen Eigenschaften eines Raumes in der frühen Phase der architektonischen Planung, und im zweiten Schritt experimentelle Untersuchungen zur subjektiven Beurteilung der akustischen Qualität eines simulierten Raumes, der visuellen bzw. akustischen Übereinstimmung und der Gesamteindruck. Da sich diese Arbeit mit dem visuellen und akustischen Eindruck eines Raumes beschäftigt, werden außerdem die Grundlagen der Raumakustik erläutert. Das wird durch die Diskussion der Ausbreitung von Schallwellen in geschlossenen Räumen, und durch die Wirkung von architektonischen Gestaltungselementen ausgeführt. Schließlich werden psychoakustische Begriffe, die eine Verbindung zwischen subjektiven Empfindungen und objektiv messbaren Größen darstellen, erläutert. Die Psychoakustik beschäftigt sich mit der menschlichen Wahrnehmung. Zur Vorhersage akustischer Verhältnisse werden zu den Computersimulationen eingesetzt. Die akustischen Eigenschaften architektonischer Entwürfe, die für ein mobiles Theater von den Studierenden der Fakultät für Architektur der RWTH Aachen entworfen wurden, werden durch verschiedene Maßnahmen verbessert. Diese Maßnahmen betreffen die architektonische Gestaltung, die akustischen Eigenschaften der verwendeten Materialien oder elektro-akustische Anlagen. Zur subjektiven Beurteilung der akustischen Qualität verschiedener Signale, der Übereinstimmung zwischen verschiedenen Szenen (geschlossenes, teilweise geöffnetes oder geöffnetes Theater) und simulierten Signalen (in den Varianten des Theaters) und des Gesamteindrucks (gewünschtes Gefühl) wird ein Entwurf visuell und akustisch untersucht durch ein Seh- Hörversuch in einem reflexionsfreien Raum. Die Ergebnisse des Versuchs werden anhand der Antworten der Versuchspersonen auf die Fragen, die in den Fragebogen dargestellt sind, statistisch ausgewertet. Die Ergebnisse erläutern, dass die akustische Qualität für eine Theatervorstellung (für Sprache) gut ist, wenn die Nachhallzeit zwischen 0,4 und 1,0 Sekunde bei mittleren Frequenzen beträgt. Ferner ergab sich eine gute Übereinstimmung zwischen Optik und Akustik bezüglich des geschlossenen Theaters. Dagegen wird das geöffnete Theater mit einer großen Unsicherheit beurteilt. Der Grund dafür ist, dass die meisten Versuchspersonen mehr Erfahrung mit geschlossenen als mit geöffneten Theatern haben, besonders bei Sprechtheatern. Schließlich wird für den Gesamteindruck dasjenige Signal, das den geschlossenen Raum repräsentiert, bei allen visuellen Varianten bevorzugt, obwohl es mit dem geöffneten Raum visuell nicht in Einklang steht. Im Gegensatz dazu wird das trockene Klangbeispiel von den Versuchspersonen abgelehnt und allenfalls in Verbindung mit dem offenen Raum akzeptiert.

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