Der Beitrag kommunaler Stadtplanung zur Steuerung der Bodennutzung : eine empirische Untersuchung zu Aufgaben und Arbeitsformen der Stadtplanung im Themenfeld Wohnen

  • The contribution of local town planning authorities to influence the use of the land : an empirical analysis of the tasks and working methods of town planning authorities in big German cities

Ehrbeck, Hanno; Selle, Klaus (Thesis advisor)

Aachen : Publikationsserver der RWTH Aachen University (2006)
Doktorarbeit

In: PT_Materialien 13
Seite(n)/Artikel-Nr.: 266 S. : Ill., Kt.

Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2006

Kurzfassung

Die Entwicklung der kommunalen Stadtplanung wird in der Fachliteratur intensiv diskutiert. Zahlreiche Untersuchungen haben eine Vielzahl von Erkenntnissen produziert, die oft nur lose miteinander verknüpft sind. Unklar bleibt, ob die in den einzelnen Untersuchungen gewonnenen Erkenntnisse lediglich in speziellen Arbeitszusammenhängen gelten oder aber etwas über "die" Stadtplanung insgesamt aussagen. Im Rahmen der Dissertation wird daher das Wissen über die Praxis der kommunalen Stadtplanung empirisch fundiert. Anhand von Fallstudien in 14 deutschen Großstädten wird der Beitrag kommunaler Stadtplaner zur Steuerung der Bodennutzung in Gebieten mit Wohnfunktion untersucht. Die Aussagekraft zentraler Thesen der Fachliteratur wird an einem wichtigen Aufgabenbereich der Stadtplanung in verschiedenen Großstädten Deutschlands überprüft: In der Literatur wird vielfach ein Rückgang rechtlicher Steuerung beschrieben. Verschiedene Autoren begründen diesen mit gesetzlichen Änderungen, einem Verzicht auf den Instrumenteneinsatz oder aber neuen Aufgaben in der Praxis. Gleichzeitig finden sich in der Literatur auch widersprechende Einschätzungen, die auf die Weiterentwicklung des Planungsrechts verweisen. Die Bestandsaufnahme dokumentiert die umfangreiche Anwendung der rechtlichen Instrumente in der Praxis, verdeutlicht aber auch die Schwierigkeiten, die Durchsetzungsfähigkeit der städtischen Planungen zu beurteilen. Eine weitere These der Literatur beschreibt einen Rückgang finanzieller Steuerung aufgrund der kommunalen Finanzkrise. Gleichzeitig wird die Effizienz des Einsatzes der finanziellen Ressourcen kontrovers diskutiert. Die Bestandsaufnahme bestätigt die These eines Rückgangs finanzieller Steuerung nicht. Der Rückgang der verfügbaren Gelder ist in den untersuchten Städten keineswegs einheitlich. Gleichzeitig erschließen die Stadtplanungsverwaltungen neue Finanzquellen und erhöhen die Effizienz ihrer Arbeit. Eine These in der Literatur lautet, dass kooperative Arbeitsformen in der Stadtplanung zunehmen. Die Bestandsaufnahme dokumentiert eine Vielzahl unterschiedlicher Kooperationen und untersucht insbesondere Kooperationen mit wirtschaftlichen Akteuren näher. Dabei zeigt sich, dass neue Instrumente in der Bauleitplanung den Handlungsspielraum sowohl der Städte als auch der Vorhabensträger erweitern. Darüber hinaus wird deutlich, dass ein Aushandlungsprozess vielfach auch unabhängig von den Vertragselementen des Städtebaurechts stattfindet. Mit dieser Diskussion eng verbunden ist die These einer Zunahme informeller Planungen, die in der Literatur zum Teil als Ergänzung und zum Teil als Ersatz formeller Instrumente verstanden werden. Die Bestandsaufnahme belegt die umfangreiche Nutzung informeller Planungen in der Praxis. Deutlich wird, dass die informellen Planungen vor allem eine Ergänzung des formellen Instrumentariums sind. Die Untersuchung überprüft auch die These einer zunehmenden Umsetzungsorientierung in der Praxis. Die Bestandsaufnahme zeigt, dass es eine umfangreiche Praxis der Umsetzungsbeeinflussung gibt. Neben der Beeinflussung durch planungsrechtliche Instrumente wird in der Bestandsaufnahme vor allem eine umfangreiche Beeinflussung der Umsetzung baulich-räumlicher Vorhaben durch städtische Unternehmen und durch Eingriffe in den Bodenmarkt sichtbar. In der Literatur wird darüber hinaus vielfach ein Rückzug der Planung aus der Fläche beschrieben. Die Bestandsaufnahme zeigt, dass ein Rückgang flächenorientierter Planungen in der Stadtplanung nicht festzustellen ist. Auch eine verstärkte Konzentration der Planungspraxis auf Schwerpunkte lässt sich nicht belegen. Die Dissertation dokumentiert die kommunale Planungspraxis in den untersuchten Städten und bestätigt, relativiert oder widerlegt einzelne Thesen der Fachdiskussion. Einige Fragen, die im Rahmen der Untersuchung nicht beantwortet werden konnten, werden abschließend erläutert.

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