Wolfram Pflug zum Gedenken

Wolfram Pflug

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24.03.2014

Professor Wolfram Pflug ist am 26. Dezember 2013 im 91. Lebensjahr in Wilsede/ Bispingen verstorben. Neben Fragen der Forstwirtschaft befasste er sich insbesondere mit den Themen Landschaftsarchitektur/ Städtebau, Landschaftsökologie, Ingenieurbiologie (Bergbau, Wasserbau, Straßenbau) und Naturschutzgeschichte.

Er wurde am 4. August 1923 in Hohenkränig, Kreis Königsberg/Neumark, geboren. Schon während seiner Schulzeit am Realgymnasium in Schwedt/ Oder interessierte er sich für alle Arten von Schiffen und trat 1941 in die Marine ein, wo er die Offizierslaufbahn einschlug. Eine Kriegsverletzung zwang ihn nach dem Krieg, seinen Berufswunsch zu ändern; er begann mit dem Studium der Forstwissenschaft an der Forstlichen Fakultät der Universität Göttingen in Hann. Münden, das er 1952 als Diplom-Forstwirt abschloss. Nach einer zweijährigen Tätigkeit bei der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald/ Landesverband Rheinland-Pfalz arbeitete er von 1954-1965 als Referent für Landschaftspflege im Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau und Forsten des Landes Rheinland-Pfalz in Mainz. Sein letzter Dienstgrad war Oberforstmeister. 1965 wurde er als Ordentlicher Professor an die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen berufen und übernahm den neugeschaffenen Lehrstuhl für Landschaftsökologie und Landschaftsgestaltung, den ersten seiner Art, den er bis 1988 innehatte. Nach seiner Emeritierung zog Prof. Pflug in die Lüneburger Heide, blieb jedoch weiterhin wissenschaftlich und praktisch aktiv.

Während seiner Tätigkeit beim Ministerium setzte er sich vor allem für die Erhaltung, Neuanlage und Pflege von natürlichen und naturnahen Landschaftselementen im Rahmen von Flurbereinigungen, der Aussiedlung von Höfen, bei Straßen-, Wasser-, Berg- und Tagebauten sowie bei der Schiffbarmachung der Mosel ein.

Seinen Studierenden aus den Studienrichtungen Architektur, Stadtplanung, Straßen-, Wasser- und Bergbau, Vermessungswesen, Biologie und Wirtschaftswissenschaften vermittelte er die Zusammenhänge zwischen den natürlichen Gegebenheiten und den Auswirkungen von Eingriffen in Natur und Landschaft. Es kam ihm darauf an, ihnen ein Grundverständnis für ökologische Zusammenhänge, die Auswirkungen von Eingriffen in Natur und Landschaft und die Notwendigkeit des Schutzes von Natur und Landschaft zu vermitteln. Ein Schwerpunkt der Forschung war die Erfassung und Aufbereitung der Eigenschaften des Naturhaushaltes in Form von landschaftsökologischen Raumeinheiten und deren Eignung für die Landnutzung in der Regional-, Bauleit-, Orts- und Fachplanung. Anwendungsbezogene Beispiele seiner Arbeit sind u. a.: Straßenplanung im Hexbachtal im Ruhrgebiet (1977), der Braunkohlentagebau Hambach (1975), Stadtplanung in Aachen (1978), der Ausbau der Saar zur Schifffahrtsstraße (1976/77), Flurbereinigungs- und Wasserbaumaßnahmen an der Ems bei Rietberg (1980), die Flurbereinigung Brandscheid/ Eifel (1991).

Er verfasste frühzeitig erste grundlegende Beiträge zur Geschichte des Naturschutzes und der Landschaftspflege; hier ist besonders seine 1969 herausgegebene Schrift "200 Jahre Landespflege in Deutschland" zu erwähnen. Sein Opus magnum ist das Standardwerk "Braunkohlentagebau und Rekultivierung. Landschaftsökologie - Folgenutzung - Naturschutz" aus dem Jahr 1998, in dem er gemeinsam mit anderen Autoren seine langjährigen und profunden Erfahrungen bei der Rekultivierung der Braunkohlentagebaue zusammenfasst. Dass sich Prof. Pflug seine Schaffenskraft auf hohem wissenschaftlichen Niveau bis zuletzt erhalten hat, wird an seinem letzten großen Werk deutlich, das im Jahr 2012 nach mehrjähriger intensiver Arbeit und diversen Feldstudien erschienene Buch über Hofgehölze.

Professor Pflug engagierte sich in vielen Gremien: Seit 1960 war er Korrespondierendes Mitglied der Akademie für Raumforschung und Landesplanung Hannover, von 1969 bis 1991 Mitglied des Kuratoriums für den Europapreis für Landespflege der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Stiftung zu Basel, seit 1973 berufenes Mitglied des Deutschen Rates für Landespflege, von 1980 bis 1991 Vorsitzender der Gesellschaft für Ingenieurbiologie, von 1990 bis 1997 Vorsitzender des Vereins Archiv und Museum zur Geschichte des Naturschutzes in Deutschland sowie von 1995 bis 2003 Vorstandsmitglied des Vereins Naturschutzpark.

Viele Publikationen dieser Gremien tragen die Handschrift Wolfram Pflugs; dies gilt u. a. für die Schriftenreihe des Deutschen Rates für Landespflege (DRL), z. B. H. 33 "Landschaft und Fließgewässer", H. 62 "Truppenübungsplätze und Naturschutz", H. 66 "Pflege und Entwicklung der Potsdamer Kulturlandschaft", oder die Veröffentlichungen der Gesellschaft für Ingenieurbiologie, hier besonders die Jahrbücher.

Als Vorsitzender des Vereins Archiv und Museum zur Geschichte des Naturschutzes in Deutschland setzte er sich mit herausragendem Nachdruck und Vehemenz für die Einrichtung der heute in der Vorburg der Drachenburg auf dem Drachenfels bei Königswinter ansässigen "Stiftung Naturschutzgeschichte" ein. Die Geschichte des Naturschutzes in Deutschland als umfassende gesellschaftliche Auseinandersetzung des Menschen und seines Verhältnisses zur Natur, Kultur und Umwelt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wird hier erforscht und darstellt. Durch ein Archiv, ein Forum und ein Museum wird diese Aufgabe umgesetzt.

In seiner Eigenschaft als Mitglied des Vorstandes des Vereins Naturschutzpark (VNP) und zuletzt als Vorsitzender der Kommission "Rote Flächen" war er seit 1994 an den Umplanungen der vormals militärisch genutzten Flächen im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide zur Wiederherstellung der Heiden maßgeblich beteiligt. Viele Jahre engagierte er sich auch in der Kommission "Naturschutz und Landschaftspflege" und trug zum Gelingen des Naturschutzgroßprojektes "Lüneburger Heide" und zur Naturschutzplanung für die Wälder des VNP bei. Noch 2013 setzte er sich engagiert für das Zustandekommen einer neuen Gebietsmonografie über das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide ein, für deren ersten Teil (Rezension in Natur und Landschaft Heft 8/2013, S. 375) er gleich zwei bedeutsame Aufsätze beigesteuert hat.

Durch fast alle Arbeiten Wolfram Pflugs zieht sich die Auseinandersetzung mit Themen von Naturschutz und Landschaftspflege und die Suche nach Wegen, ihnen in allen Landnutzungen einen hohen Stellenwert, Akzeptanz und praktische Umsetzung zu gewähren. Die ganzheitliche Betrachtung des Aufgabengebietes Naturschutz und Landschaftspflege zeichnet den Forstmann besonders aus.

Seine Mitarbeiter während der beruflichen Laufbahn und seine Partner in der ehrenamtlichen Arbeit werden seinen stets wachen, lebhaften, kritischen, ja streitbaren Geist in Erinnerung behalten, durch den Diskussionen belebt, Themen durchdrungen, Aussagen hinterfragt und Vorhaben zu konstruktiven Ergebnissen geführt wurden. Ihm ist für seine Lebensleistung sehr zu danken.

Prof. Dr. Werner Konold, Angelika Wurzel (DRL); Dr. Thomas Neiss, Dr. Hans-Werner Frohn, (Stiftung Naturschutzgeschichte); Prof. Dr. Thomas Kaiser (Verein Naturschutzpark)

Quellen:

EINBRODT, H.-J. (1993): Ein Leben mit der Umwelt und für die Umwelt. Persönliche Worte zum 70. Geburtstag an Herrn Univ.-Prof. Dipl.-Forstw. Wolfram Pflug. - Wissenschaft und Umwelt. S. 3-4, S. 163 u. 164.
EMONDS, H. (1988): Professor Wolfram Pflug tritt in den Ruhestand. - Natur und Landschaft, 63., H. 10, S. 441.
MAYSER, W., LIMPERT, K. & HINTZ, Th. (1995): Professor Wolfram Pflug - 70 Jahre lebendiger Naturschutz und Landschaftspflege. - Gesellschaft für Ingenieurbiologie. Festschrift. Mitteilungen, 4. April, S. 2-4.
PFLUG, W. (1969): 200 Jahre Landespflege in Deutschland. - Sonderdruck aus: Stadt und Landschaft, Raum und Zeit. Festschrift für Erich Kühn zur Vollendung seines 65. Lebensjahres. Köln, S. 237-289.
PFLUG, W. (Hg.) (1998): Braunkohlentagebau und Rekultivierung. Landschaftsökologie - Folgenutzung - Naturschutz. - Berlin, Heidelberg, New York, Barcelona, Budapest, Hongkong, London, Mailand, Paris, Santa Clara, Singapur und Tokio: Springer, 1068 S.
SCHMIDT, A. (1998): Prof. em. Wolfram Pflug zum 75. Geburtstag. - Natur und Landschaft, 73., H. 11, S. 508-509.
SCHMIDT, A. (2000): Ehrung von Prof. Pflug im Rahmen des Symposiums "Aspekte der Naturschutzgeschichte. - Stiftung Naturschutzgeschichte (Hg.): Wegmarken. Beiträge zur Geschichte des Naturschutzes. Festschrift für Wolfram Pflug. - Veröffentlichungen der Stiftung Naturschutzgeschichte Bd. 1. Essen: Klartextverlag. S. 274-280.
Stiftung Naturschutzgeschichte (Hg.) (2000): Wegmarken. Beiträge zur Geschichte des Naturschutzes. Festschrift für Wolfram Pflug. - Veröffentlichungen der Stiftung Naturschutzgeschichte Bd. 1. Essen: Klartextverlag. 284 S.