Landscape 4 : Landschaftsideen Nordeuropas und die visuelle Integrität von Stadt- und Kulturlandschaften im UNESCO-Welterbe

  • Landscape 4 : landscape ideas in Northern Europe and the visual integrity of UNESCO World Heritage cultural and urban landscapes

Kloos, Michael; Wachten, Kunibert (Thesis advisor)

Aachen (2014)
Doktorarbeit

Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2014

Kurzfassung

In den letzten Jahren war eine relativ große Anzahl nordeuropäischer Welterbestätten von Diskussionen über deren „visuelle Integrität” betroffen. Solche Streitfragen, die sich um Veränderungen von Stadt- und Landschaftsbildern drehen (z. B. durch die Errichtung von Hochhäusern oder Verkehrsinfrastruktur), entstanden häufig in großflächigen Welterbestätten, den Stadt- und Kulturlandschaften im UNESCO Welterbe. Insbesondere der Fall der Waldschlösschenbrücke, der zu einer langen, sehr emotionalen Diskussionen und letztlich zur Streichung der Kulturlandschaft Dresdner Elbtal bereits fünf Jahre nach deren Eintragung in die Welterbeliste führte, beschäftigte die deutsche und internationale Öffentlichkeit über mehrere Jahre hinweg. In der Dissertation „Landscape 4” werden die Hintergründe solcher Fragen über die „visuelle Integrität” von Welterbestätten auf drei verschiedenen Ebenen untersucht: Politische Hintergründe der Integration von Landschaften als kulturellem Erbe in das Welterbeprogramm, eine detaillierte Fallstudie der jüngeren Diskussionen über die visuelle Integrität der Welterbe-Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal und der historische Hintergrund der Rezeption des Landschaftsbegriffs in Nordeuropa. Die Untersuchung zeigt, dass die Gründe für Fragen über die visuelle Integrität in komplexen Stadt- und Kulturlandschaften im UNESCO-Welterbe häufig auf Fehler zurückgeht, die bereits während deren Nominierung gemacht wurden. Beteiligte Akteure sollten sich insbesondere darüber bewusst sein, dass die Einschreibung solcher großmaßstäblicher Stätten in die Welterbeliste zu sehr unterschiedlichen Erwartungen auf verschiedenen Entscheidungsebenen führt. Aufgrund der augenblicklichen Steigerung der Bedeutung kulturellen Erbes im Zusammenhang mit der wachsenden Bedeutung des Massentourismus für Städte und Regionen neigen „Insider” mit einer starken Beziehung zu lokalen Entscheidungsebenen dazu, Nominierungen für das Welterbe als eine Chance für eine erfolgreiche Stadt- und Regionalentwicklung zu sehen. Im Gegensatz hierzu stellen „Outsider” mit nationalem oder internationalem Entscheidungshintergrund häufig die Erhaltung solcher Stätten und deren Stadt- und Landschaftsbilder in den Vordergrund. Nominierungen von Stadt- und Kulturlandschaften für das Welterbe führen daher häufig zu widersprüchlichen Erwartungshaltungen auf unterschiedlichen Entscheidungseben. Vor diesem Hintergrund werden Empfehlungen für Nominierungsprozesse, das Management und das Konfliktmanagement in Welterbestätten erarbeitet. Diese Empfehlungen werden anhand von Fallstudien weiter ausgearbeitet. Daneben werden Empfehlungen für zukünftige Aktivitäten in der Grundlagenforschung und der angewandten Forschung erarbeitet.

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