Villa Mondragone – eine Papstresidenz als Villa

  • Villa Mondragone – a papal residence as a villa

Buggert, Daniel; Pieper, Jan (Thesis advisor); Raabe, Christian (Thesis advisor); Imorde, Joseph (Thesis advisor)

Aachen : Publikationsserver der RWTH Aachen University (2015)
Doktorarbeit

Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2015

Kurzfassung

Der Ursprungsbau der Villa Mondragone entstand zwischen 1573 und 1578 im Auftrag Kardinals Marcus Sitticus Altemps, der das Gebäude als Gasthaus Papst Gregor XIII. widmete. Der Boncompagni-Papst unterzeichnete am 24. Februar 1584 in den Räumen der Villa die Bulle „Inter gravissimas“, in der die Regelungen seiner Gregorianischen Kalenderreform zusammengefasst wurden. Obwohl die Villa somit ein Ort von besonderer historischer Bedeutung ist, wird die architekturhistorische Betrachtung von dem Bild der großen Anlage der Borghese Zeit zu Beginn des 17. Jahrhunderts geprägt. Alle bisherigen Forschungen zur Villa Mondragone entstanden auf Grundlage quellenkundlicher Studien. Der Verlust zahlreicher Akten und Schwierigkeiten bei der Zuordnung der in diesen Archivalien benannten Bauteile führten dazu, dass bisher keine genaue Rekonstruktion der Anlage für die Zeit des 16. Jahrhunderts angefertigt werden konnte. Mit den Methoden der bauforscherischen Bestandsuntersuchung konnte das Gebäude als Quelle seiner selbst erfasst und diese Lücke in der Baugeschichte der Villa Mondragone geschlossen werden.Die Rekonstruktionspläne zeigen ein herrschaftliches Gebäude, in dessen Struktur zwei axiale Systeme gegeneinander gestellt werden. Auf der Talseite wird die Ansicht des Gebäudes durch eine spiegelsymmetrische Komposition aus dem Erschließungsweg der Villa und einer großen vorgelagerte Terrasse bestimmt, die auf den Eingang in der Mitte des Baukörpers ausgerichtet sind. Auf der Gartenseite – im Süden des Villengebäudes – wird diese Hauptachse zur Nebenachse umgedeutet, da die Mittelachse des großen Parterregartens, nach Osten versetzt, durch einen kleinen Annex des Hauptbaukörpers verläuft. In diesem provokativ bescheidenen Anbau, der die Symmetrie der Anlage durchbricht, befinden sich die päpstlichen Privatgemächer, die auf der Ebene des Piano Nobile in den Mittelpunkt gestellt werden. In der Gebäudestruktur stehen sich so in großem Kontrast die herrschaftliche Residenz eines Papstes und die einfache Behausung eines Eremiten gegenüber.Mit dieser klaren Struktur ist das Gebäude als architektonische Interpretation der Demutsformel „servus servorum dei“ zu verstehen, die seit Gregor dem Großen, dem wichtigsten Vorbild des Ugo Boncompagni, zur Intitulatio der Päpste gehört. In dieser Formel spiegelt sich die Auffassung des Papstamtes wider, dass der Papst zugleich als oberster Diener und unterster aller Knechte anzusehen ist. Mit der baulichen Umsetzung wird verdeutlicht, dass der staatstragende Apparat als Notwendigkeit des Amtes begriffen werden muss, während der Papst selbst mit seiner zur Schau getragenen Demut und Bescheidenheit lediglich eine einfache Hütte benötigt. Das ikonografische Konzept der Villa fügt sich auf diese Weise lückenlos in die Rhetorik des Papsthofes zur Zeit der Gegenreformation ein, so dass die Villegiatur dieser Epoche nicht als Wiederbelebung der römisch antiken Tradition des „otium et negotium“ verstanden werden kann. Zum Verständnis dieser Villegiatur ist es vielmehr die Schöpfungslehre, die in der Gegenreformation als eine Grundlage des christlichen Glaubens in den Mittelpunkt gerückt wird, da sich der Schöpfergott in der Natur fortwährend den Menschen offenbart. Der Zugang zur Natur ist dementsprechend ein Akt der Devotion, bei dem die Nähe zu Gott gesucht wird. Die Analyse panegyrischer Schriften, die zu Ehren Gregors XIII. verfasst wurden, zeigt, dass auch die Villegiatur des Papstes als solcher Akt gesehen werden sollte: Der Papst zieht sich zur inneren Einkehr in die Natur zurück, um – in Distanz zu den Irrungen der Stadt – seine moralische Integrität zu bewahren. Eine entsprechende Szene findet sich auch in der Vita des heiligen Gregors, die in einem Bilderzyklus in der Kapelle der Villa Mondragone gezeigt wird.Das Vorbild des Papstes wird aber auch in größerem Maßstab inszeniert, indem in der Ortschaft Monte Porzio eine Stiftskirche errichtet wurde, die ebenfalls San Gregorio Magno geweiht ist. Diese Kirche liegt weithin sichtbar am Westhang des Ortes, so dass sie eine große Präsenz in der Landschaft besitzt. Auf dieses Gebäude sind der Giardino secreto und auch die Privatgemächer des Papstes ausgerichtet, so dass der Papst durch das Kirchengebäude fortwährend an die Tugendhaftigkeit seines Vorgängers erinnert wird.Am Ende der Betrachtung zeigt sich die Villa Mondragone also als Papstvilla der Gegenreformation, die in das Ensemble der Frascati-Villen als Ort der gemeinsamen kurialen Villegiatur eingebettet ist. Mit diesen Villen, zu denen große landwirtschaftliche Betriebe gehörten, verlieh der römische Hof sinnbildlich seiner ordnenden Kraft Ausdruck. Hierbei ist es die höchste Aufgabe des Papstes und seines Kardinalskollegiums, die von Christus erstellte Weltordnung und die der Schöpfung zu bewahren.

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