Zwischen Küche und Stadt : Zur Verräumlichung gegenwärtiger Essenspraktiken

  • Between kitchen and city : On the spatialization of contemporary eating practices

von Mende, Julia; Bernhardt, Anne-Julchen (Thesis advisor); Hauser, Susanne (Thesis advisor)

Aachen (2020)
Doktorarbeit

Dissertation, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, 2020

Kurzfassung

Im Alltag deutscher Großstädter wird immer seltener selbst gekocht, während das Angebot an zeitlich und räumlich flexibilisiertem schnellem Essen außer Haus, Lieferdiensten und dergleichen wächst. Was ist also in der Küche los, wenn dort immer weniger gekocht und gegessen wird, und es andererseits kaum noch einen Ort gibt, an dem nichts eingenommen wird? Während ‚Essen‘ und die dazugehörige Nahrungszubereitung multidisziplinär erforscht wurden, ist über deren alltagsräumliche Zusammenhänge wenig bekannt. Diese Forschungslücke sucht die Untersuchung anhand einer Gegenwartsbetrachtung von Essenspraktiken und ihren räumlichen (Un-)Ordnungen im urbanen Kontext deutscher Großstädte zu schließen. Angesiedelt im interdisziplinären Feld zwischen Architektur und den kulturwissenschaftlich orientierten Sozialwissenschaften antwortet die empirische Studie auf die Vielschichtigkeit des Forschungsgegenstands mit einer Methodenkombination aus Feldforschung, Befragung und zeichnerischen Analysen. Untersuchungen in Küchen in Berliner Privathaushalten führen an Orte außer Haus wie Verkehrsknotenpunkte, Teeküchen im Erwerbsalltag, Mietküchen und gastronomische Einrichtungen. Entlang des Begriffs der Verräumlichung wird nach raumzeitlichen Nutzungsmustern, der Bedeutung von Räumen und deren Entstehung sowie Veränderung in der prozesshaften Aneignung gefragt. Transitorische Praktiken, die Wirkmächtigkeit bestehender räumlicher Strukturen und materieller Objekte, räumliche Neuzuordnungen und Entgrenzungen zwischen Privathaushalt und Stadt sowie die Inversion von privater und öffentlicher Sphäre werden als Phänomene der Verräumlichung gegenwärtiger Essenspraktiken beschrieben. Vor dem Hintergrund historischer Exkurse und des sozialwissenschaftlichen Gegenwartsdiskurses, insbesondere anhand Hartmut Rosas Theorie der „gesellschaftlichen Beschleunigung“, werden diese eingeordnet und ihre Determinanten identifiziert. Die Arbeit eröffnet Einblicke in die gegenwärtigen räumlichen Zusammenhänge des urbanen Essalltags und zeigt die enge Verflochtenheit des Essens als sozialen Praktik mit sämtlichen Bereichen des Lebensalltags.

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