Auswirkungen neuer Wahrnehmungsmuster im Bereich der regenerativen Energiesysteme im Orts- und Landschaftsbild und ihre Bedeutung für die räumliche Planung : Alltags-, Sehnsuchts- und Energielandschaften im Fokus

  • Effects of new patterns of perception in the field of regenerative energy systems in the townscape and landscape and their significance for spatial planning : A look at everyday landscapes, landscapes of longing and energy landscapes

Sieber, Sandra; Lohrberg, Frank (Thesis advisor); Dettmar, Jörg (Thesis advisor)

Aachen : RWTH Aachen University (2021)
Doktorarbeit

Dissertation, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, 2021

Kurzfassung

Die vorliegende Arbeit fokussiert die Landschaftsvorstellungen junger Planender im Kontext regenerativer Energien. Mit dem Instrument der Befragung (Fragebögen) werden Alltags-, Sehnsuchts- und Energielandschaften der Befragten (Studierende aus dem Bereich der Landschaftsarchitektur und der Architektur) beleuchtet. Parallel werden mit dem Instrument der Diskursanalyse vorherrschende fachliche Positionen im Bereich der Landschaftsplanung zur Wertung regenerativer Energietechniken im Orts- und Landschaftsbild herausgearbeitet, um sie mit den Positionen der Befragten vergleichen zu können. Um die fachlichen Positionen sowie die Ergebnisse der Befragung einordnen und inhaltlich auswerten zu können, werden gezielt Aspekte der Landschaftswahrnehmung beleuchtet (u. a. historisch-theoretischer Kontext des Landschaftsbegriffs, bestehende Studien zum Thema, Thesen der Umweltpsychologie). In drei Exkursen werden in sich abgeschlossene Themen gesondert betrachtet, die entweder zum Verständnis der Thematik notwendig sind (z. B. Exkurs I | Sackgasse unberührte Natur) oder bislang kaum beachtete Aspekte betrachten (z. B. Exkurs III | Erneuerbare Energien in der Werbung).Der methodische Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der theoretischen Einbettung bzw. Genese der fachlichen Positionen und Landschaftsvorstellungen, insbesondere des konservativen Natur- und Landschaftsschutzes, nicht auf der statistischen Auswertung von Befragungsergebnissen. Von Interesse waren weniger die reinen Zahlenwerte als die Frage, wie bestimmte fachliche Positionen und Narrative zustande kommen (Genese). Daher nimmt die Frage, wie der Begriff der Landschaft konstruiert wird und wie es zum Konstrukt der Energielandschaft kommen konnte, eine Schlüsselstellung in dieser Arbeit ein. Dass der Begriff der Energielandschaft in erster Linie ein Produkt der Exkludierung energetischer Funktionen aus dem Landschaftsbegriff ist und eng zusammenhängt mit der negativen Wertung dessen, was im 19. Jh. als Technik gedacht wurde, ist eine wichtige Erkenntnis der Arbeit. In Bezug auf die Positionen der Befragten kann festgestellt werden, dass sie ein größeres Selbstverständnis und eine größere Akzeptanz gegenüber regenerativen Energietechniken im Orts- und Landschaftsbild erkennen lassen als die Positionen des konservativen Natur- und Landschaftsschutzes. Kritisch erscheint aber die Sicht der Befragten auf das, was tendenziell als Natur oder gar unberührte Natur betrachtet wird: Dieser wird mit einem Schutzgebot bzw. Nutzungstabu begegnet und anthropogene Einflüsse werden übersehen. Kulturlandschaft wird allgemein eher als etwas Historisches gedacht, sofern der Begriff überhaupt verankert ist. Wertungen – so ein Fazit der Arbeit – basieren auf Erwartungen und Zuschreibungen. Diese sind keineswegs individuell oder zufällig, sie haben eine Entstehungsgeschichte. Die negative Wertung regenerativer Energietechniken im Orts- und Landschaftsbild sagt letztlich mehr über die Erwartungen und Zuschreibungen in Bezug auf das Konstrukt Landschaft aus als über die technischen Artefakte der Energiewende.

Identifikationsnummern

Downloads