RWTH Absolventin gewinnt Förderpreise für Abschlussarbeit

22.10.2020

Ava Mronz, Masterabsolventin des Wintersemesters 19/20 gewinnt einen von drei 1. Plätzen des Förderpreises des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst und zusätzlich den DASL Förderpreis NRW.  

 

Das Thema

Der Karneval

Der Kölner Karneval ist ein Brauchtum dessen Ursprünge so weit zurückreichen wie die Gründung der Stadt. Seine Wurzeln liegen in der katholischen Kirche, denn er diente früher wie heute dazu die Fastenzeit einzuläuten. Vor Beginn der Fastenzeit kostümieren die Leute sich und feiern gemeinsam. Der Karneval ist ein unersetzbarer Bestandteil der Stadt und stiftet maßgeblich ihre Identität bis über die Stadtgrenzen hinaus. Dies erfordert eine bauliche Manifestation in Form eines Haus des Karnevals. 

 

Der Ort

Die Via Culturalis

Die Via Culturalis, eine Kulturachse in der Kölner Altstadt, macht die reiche Geschichte und Kultur der Stadt erlebbar. Der Weg beginnt am Kölner Dom und verläuft von hier aus 800 m in Richtung Süden. Entlang der Achse befinden sich Kulturdenkmäler und öffentliche Einrichtungen wie das Römisch-Germanische Museum, Rathaus, Wallraf-Richartz Museum, die Kirchenruine St. Alban und die archäologische Zone.

 

Quatermarkt, Köln

Entlang der Via Culturalis liegt auch der Quatermarkt. Die Stadtstruktur formte den Ort bereits zu Römerzeiten. Obwohl der Name einen Marktplatz erwarten lässt, befand sich hier bis zur Kriegszerstörung durchgängig eine geschlossene Blockstruktur. Die Gasse stellt die Verlängerung der Schildergasse dar - die damalige decumanus der Stadt. Nach der Zerstörung wurde hier ein aus dem Kontext gerissenes Bürogebäude errichtet, welches den Ort als ein ungeordnetes Fragment im städtischen Raum belässt.

 

Das Haus

Typus

Entwurfsprägend ist die Frage, wie sich die kulturelle Institution baulich manifestieren lässt. Der Karneval ist ein buntes, traditionsreiches und vielfältiges Fest. Im Zentrum steht dabei vor allem die Gemeinschaft. Hieraus leitet sich die Hauptfunktion des Hauses ab, welches die Versammlung und somit der Festsaal, ist. Des Weiteren finden die Verwaltung des Festkomitees, ein Ausstellungsbereich und ein Archiv Platz. Die unterschiedlichen Nutzungen werden im Erdgeschoss durch separate Eingänge an den drei Gebäudeseiten voneinander getrennt.

 

Figur

Die städtebauliche Figur des Entwurfs ist maßgeblich durch die historische Entwicklung geprägt. Ableitend von der ursprünglichen Bebauung des Ortes, stellt der Entwurf wieder einen geschlossenen Block her und beruhigt damit den heterogenen städtischen Kontext.

 

Haus im Haus

Der leitende Entwurfsgedanke folgt dem Prinzip des Haus-im-Haus. Diese Typologie entsteht aus ihrer Nutzung heraus und formuliert den Festsaal als zentrales Element. Durch die Zweischaligkeit lassen sich Mantel und Kern einerseits klar voneinander trennen und gehen gleichzeitig eine Symbiose ein. Der Saal stellt das wertvollste Element dar und wird durch den ihn umgebenden Mantel beschützt, welcher die dienenden Funktionen beherbergt. Zum städtischen Raum hin markiert das Satteldach die Position des Hauses deutlich und ist aus vielen Perspektiven, nah wie fern, wahrnehmbar.

 

Verwandlung

Prägend für die Architektur ist die Thematik der Verwandlung im Kölner Karneval. Die Feierlichkeiten verwandeln die Stadt und ihre Einwohner. Dieser Aspekt prägt das Erscheinungsbild des Hauses, sodass es sich von außen, in einem roten Klinker gekleidet, nach innen, hier in gelbem Klinker, ebenfalls verwandelt. Dieser Wechsel wird vor allem in der Schwellensituation zwischen Mantel und Kern deutlich. Motive wie die schwungvollen Fassadenelemente, Segmentbögen und die Dachsegel greifen die festliche Natur des Karnevals auf.